„Neues Denken – Standard einer Innovationskultur“

Am 09. Januar 2016 fand der Neujahrsempfang der IHK Karlsruhe statt.  Als Keynote Speaker war Dr. Frederik G. Pferdt, Chief Innovation Evangelist bei Google und Adjunct Professor an der d.school der Stanford University, eingeladen. Dr. Pferdt  ist Gründer von Google’s Kreativlabor „The Garage“. Zielsetzung seiner Keynote war, darzustellen, wie erfolgreiche Innovationskulturen in Unternehmen entstehen und wie sie funktionieren – also ‚Neues‘ Denken als Standard sehen und das Unmögliche in Frage zu stellen.

Zunehmend exponentieller Trend neuer Technologien

Seit 20 Jahren gibt es das Internet, seit 10 Jahren das Smartphone und es gibt eine zunehmende exponentielle Entwicklung hinsichtlich neuer Technologien.  Diesen Trend sollte man positiv sehen, denn  durch Technologie erhalten mehr und mehr Menschen z. B. Zugang zu Informationen.

Um als Unternehmen mit diesen Entwicklungen mithalten zu können, ist es wichtig, eine Kultur zu schaffen, die Kreativität Freiraum gibt. Kinder haben noch die Fähigkeit, ‚wilde‘ Ideen zu generieren. Dies ist bei Erwachsenen im Laufe ihre Erwachsenwerdung und Berufstätigkeit verloren gegangen.  Zentrale Frage bezüglich Innovationen bei Google  ist „Was wäre wenn…“, also eine unbeschränkte Ideengenerierung, die Kreativität freigibt.  Neugierde ist ein zentraler Faktor für Innovativität. Großartige Fragen führen zu großartigen Antworten, so Dr. Pferdt. Als Führungskraft ist es notwendig, sein Team durch Fragen zu inspirieren. Fragen, die man sich stellt, sollten mit anderen geteilt werden.  Transparenz schafft im Unternehmen eine Atmosphäre des Vertrauens und Vertrauen ist eine Voraussetzung, damit man kühne Ideen mit anderen teilt. Bei Google wird diese Transparenz dadurch gepflegt, dass sich die Unternehmensführung jeden Donnerstag Zeit nimmt, sämtliche Fragen von Mitarbeitern zu beantworten, soweit legal möglich.

Dr. Pferdt appellierte, neues Denken zu fördern, nicht „Ja, aber…“ muß die Fragestellung sein, sondern „ja und …“. Sog. schnelles Scheitern ist für erfolgreiche Produktentwicklung wichtig, also zu experimentieren und keine Angst vor Misserfolgen zu haben. Eine Analyse von mehr als 200 Teams bei Google hat ergeben, dass emotionale Sicherheit der einzige Faktor für erfolgreiche innovative Teams ist.

 

Prinzipien zur Schaffung einer Innovationskultur

Zur Schaffung einer Innovationskultur müssen also lt. Dr. Pferdt die folgenden Prinzipien realisiert werden:

  1. Transparenz schaffen
  2. Vertrauen schaffen – emotionale Sicherheit geben, die Fehler als normal ansieht
  3. Ideen generieren mit „was wäre wenn“
  4. Prozess des schnellen Scheiterns etablieren

Bei der Produktentwicklung  wird bei Google darauf geachtet, dass der Nutzer immer an erster Stelle steht. Um den für Innovativität relevanten Forschergeist zu fördern, wurden bei Google systematisch Freiheiten geschaffen:

  1. Kreative Freiheit – jeder Mitarbeiter kann 20% seiner Zeit für ihm wichtige Ideen, Anliegen o. ä. einsetzen. Aus diesen 20% sind in der Vergangenheit schon wichtig Google Produkte entstanden.
  2. Physische Freiheit – Hier wurde von Dr. Pferdt bei Google ein Kreativraum genannt „The garage“ geschaffen. Dieser Raum ist sehr flexibel gestaltet und erlaubt kooperatives Arbeite an neuen Ideen.

Wichtig Werte der Unternehmenskultur bei Google sind Neugier und über etwas zu staunen.  Eine innovative Kultur ist durch Offenheit geprägt, die das Brechen mit der Routine und Gewohnheiten fördert und Ausreden (“wir können es nicht tun, weil…“) nicht toleriert.

 

Kundennutzen als Orientierung für Digitalisierung

Im Anschluß an die Keynote von Dr. Pferdt  wurde in einer Runde namhafter Experten diskutiert. Übereinstimmung herrschte, dass die Geschwindigkeit der Digitalisierung in Deutschland zu gering ist.  Silicon Valley ist Einstellungssache, d. h. Offenheit und Optimismus. Der technologische Aspekt ist erst danach relevant aus Sicht von Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Lockemann, dem Mitgründer der Informatik in Karlsruhe. Wichtig für Digitalisierung in Deutschland ist als Hygienefaktor ein schnelles Internet, so Unternehmer Horst Fritz. Im Vergleich zum Silicon Valley und wichtig für eine erfolgreiche Digitalisierung ist, dass man das Thema nicht auf „Technologie“ limitiert, sondern vom Kundennutzen her betrachtet wird und welche neuen Geschäftsmodelle möglich sind, forderte Frau Prof. Dr. Gisela Lanza, Leiterin Institut für Produktionssysteme am KIT.  Zentraler Appel aller Experten war, jetzt etwas zu tun, wo die Wirtschaft gut läuft und es den Unternehmen gut geht.

 

 Fazit

Ein schnelles Internet ist für die Digitalisierung in Deutschland eine wichtig Voraussetzung, damit  agile Arbeitsformen und Kooperationen möglich sind. Deutschland ist bei diesem Faktor nicht mal unter den Top Ten der Wirtschaftsnationen. Der Bedarf ist vom Bundeswirtschaftsministerium erkannt worden, doch muß der Prozess beschleunigt werden (siehe auch Beitrag  Modernising Germany).

Auf Unternehmerseite ist es wichtig, durch die Förderung einer am Kundennutzen orientierten Innovationskultur, sich als Unternehmen mit Fragestellungen im Zusammenhang mit der sog. Digitalisierung zu beschäftigen.  Das beinhaltet Veränderungsprozesse und diese sollten nicht weiter in die Zukunft verschoben werden auch wenn scheinbar noch kein ökonomischer Handlungsbedarf besteht. Kooperationen und Plattformen können  dabei wichtige Elemente sein.

Der Neujahrsempfang der IHK Karlsruhe war ein richtiger Impuls dazu, sich mit dem Thema Digitalisierung mit einer offenen optimistischen Einstellung zu beschäftigen.

 

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