„Mega Trends – Transforming technology, innovation and talent“

Am 06. Dezember 2016 fand in Stuttgart das 2. Deutsch-Amerikanische Mittelstandsforum „Mega Trends – Transforming technology, innovation and talent“ statt. Organisator war die Beratungsgesellschaft Ebner Stolz.

Immer wiederkehrendes Thema war der Trend der Digitalisierung bzw. der Digitalen Transformation. In diesem Zusammenhang sind drei Referenten und Panelteilnehmer besonders hervorheben.

Digitale Transformation: Kühne+Nagel als positives Fallbeispiel

Ralf Többe, Leiter der Region Süd-West der Kühne+Nagel KG, präsentierte die Digitalisierungsstrategie des Unternehmens. Kühne + Nagel verfolgt drei Aktionspfade:

  1. Unterstützung des klassischen Geschäfts mit modernster Software. Im klassischen Logistikgeschäft werden Prozesse, soweit möglich IT gestützt. So können Kunden z. B. jederzeit in Echtzeit erfahren, wo sich gerade ihr Transportgut befindet.
  2. Neues Geschäftsmodelle mit digitalen datenbasierten Produkten. Eigene vorhandene Logistikdaten werden mit anderen Daten kombiniert. Mit prädiktiver Analytik werden daraus volkswirtschaftliche Frühindikatoren entwickelt, die nun bereits an relevante Zielgruppen wie Banken vermarktet werden (gKNi = Kühne+Nagel indicators). Diese Initiative wurde von dem Verantwortlichen für Digitalisierung lanciert. Er berichtet direkt an die Unternehmensführung von Kühne+Nagel.
  3. Investitionen in neue für das Logistikgeschäft relevante Ventures. Durch Investitionen in neue Start-ups, die relevante Ideen für das Logistikgeschäft entwickeln, möchte das Unternehmen einen Zugang zu neuen Ideen aufbauen. Hierfür wurden die zur Verfügung stehenden finanziellen Ressourcen entsprechend aufgestockt.

Többe hob die unternehmerische Kultur von Kühne+Nagel hervor, die durch den Eigentümer bedingt ist. Diese Kultur vereinfacht, sich mit der Digitalen Transformation zu beschäftigen, neue Dinge anzugehen, kalkulierte Risiken einzugehen und die Chancen zu sehen. Dieses unternehmerische Umfeld prägt das Großunternehmen mit +65.000 Mitarbeitern.


Digitale Transformation: Dringender Aufholbedarf der deutschen Wirtschaft

Gabriel Wetzel, Leiter Geschäftsbereich Internet of Things und Smart City, Bosch Software Innovations GmbH, sieht dringenden Aufholbedarf der deutschen Wirtschaft im Hinblick auf die Digitale Transformation. Für ihn ist ein klares Kennzeichen die Liste der sog. Unicorns, d. h. relative junge Unternehmen mit einer Marktbewertung von mehr als 1 Mrd USD. Diese Unternehmen repräsentieren die erfolgreichen Geschäftsmodelle der Zukunft. In der von CBInsights geführten Liste sind derzeit von 183 Unternehmen nur vier Unternehmen aus Deutschland gelistet (1. Delivery Hero, 2. Hellofresh, 3. CureVac, 3. Auto 1 Group). Der Großteil der Unternehmen stammt aus den USA (bzw. Kalifornien), Indien und China. Dies ist für ihn auch ein Indikator für den zukünftigen Wohlstand einer Volkswirtschaft. Der Wohlstand der deutschen Gesellschaft ist auf Geschäftsmodellen basiert, die in der Zukunft nicht mehr für sich erfolgreich sein werden. Die Erfolge aus der Vergangenheit lassen sich nicht in die Zukunft fortschreiben. Er appellierte an die Verantwortung der Unternehmer und Führungskräfte, hier aktiv zu werden und den notwendigen ‚Sense of Urgency‘ zu erkennen und zu handeln.

Bei der Digitalisierung sieht er für Unternehmen einen dreistufigen Prozess:

  1. Connectivity schaffen
  2. Neue Funktionen entwickeln
  3. Neue Geschäftsmodelle definieren

Die Herausforderung bei diesem Prozess ist, dass man am Anfang ins unternehmerische Risiko geht. Man muß zuerst investieren, z. B. in die sog. Connectivity aller Elemente in einem System oder Prozess, ohne dass es bereits direkt positive Auswirkungen gibt. Erst später können die Vorteile durch z. B. Big Data Analyse und Definition neuer Geschäftsmodelle wirksam werden.

Digitale Transformation beinhaltet auch neue Formen der Zusammenarbeit mit Wettbewerbern in klar definierten Bereichen, sog. Coopetition. Coopetition, zusammengesetzt aus Competition (Wettbewerb) und Cooperation (Kooperation), bedeutet sowohl Zusammenarbeit als auch Wettbewerb in gemeinsamen Märkten.  Als Beispiel war hier die Zusammenarbeit von Bosch Software Innovations und GE Digital genannt. Bosch Software Innovations geht auch weitere Partnerschaften mit Wettbewerbern ein bei dem Thema Internet of Things (IoT).

Für die aktuelle Unicorn Liste von CBInsights, klicken Sie bitte hier.

 

Digitale Transformation: Führungsaufgabe und nicht IT getrieben

Für Thomas Hemmer, Chief Technology Officer der complement AG, ist die Digitale Transformation eindeutig eine Aufgabe der Unternehmensführung. Die Unternehmensführung kann also dieses Thema nicht delegieren oder der IT überlassen, denn es geht dabei um die Zukunftssicherung des Unternehmens. Wie Gabriel Wetzel erkennt er derzeit in Unternehmen eine Zurückhaltung, in diesem Bereich wirklich tätig zu werden und zu investieren.

Hemmer stellte das Thema der Digitalen Transformation in den Zusammenhang mit vielen Innovationen, die Neues ermöglichen. Diese Veränderungen verlaufen nicht nur linear sondern auch exponentiell ansteigend.  Auf all dies kann die Unternehmensführung nicht immer vorbereitet sein.  Sie muß sich auf diese sog. VUCA World* einstellen und auch die Chancen für nützliche Veränderungen erkennen. Denn nur so sind in der Vergangenheit Innovationen wie das Serienauto realisiert geworden.

*VUCA World = ein Umfeld des Unternehmens, das gekennzeichnet ist durch Volatilität (Volatility, Unsicherheit (Uncertainty), Komplexität (Complexity) und Mehrdeutigkeit (Ambiguity).

 

Fazit

Digitale Transformation kann von etablierten deutschen bzw. deutsch geprägten Unternehmen gemeistert werden. Dies zeigt das Beispiel Kühne+Nagel.  Entscheidend für den Erfolg ist neben der wirklichen unternehmerischen Kultur, dass die Unternehmensführung die Digitale Transformation als eindeutige Führungsaufgabe sieht und aktiv angeht. Dazu gehört die Bereitschaft,  entsprechende Ressourcen einzusetzen und zu investieren, auch wenn der ROI zu Beginn nicht definiert ist. Aber man sieht die mit der Digitalen Transformation verbundenen Chancen. Eine unternehmerische Unternehmenskultur unterstützt dabei, dass diese von der Führung angestoßenen Initiativen von den Mitarbeitern mitgetragen werden. Denn sie verstehen, dass diese Veränderungen im Zusammenhang mit der Zukunft des Unternehmens sind.

Dies wirft folgende wichtige Fragen auf:

  • Wie kann man die Entstehung von erfolgreichen zukunftsträchtigen Geschäftsmodellen i. S. von Unicorns in Deutschland fördern?
  • Warum handeln in Deutschland so viele Unternehmensverantwortliche das Thema der Digitalen Transformation so zögerlich? Mit ihrer Zurückhaltung verringern sie  ihren zukünftigen Handlungsspielraum. Sie riskieren damit hohen Veränderungsdruck in der Zukunft.

Für mich hängen beide Fragen insofern zusammen, als dass Deutschland durch ein Ecosystem einer erfolgreichen engen Zusammenarbeit von Unternehmen verschiedener Größe geprägt ist. Dies hat auch die wirtschaftlichen Erfolge in der Vergangenheit begründet.

Für einen erfolgreichen Verlauf erfordert die Digitale Transformation wie jede Transformation echte Führung. Die Digitale Transformation ist damit eine Chance zur Wiederentdeckung, was unternehmerische Führung beinhaltet.

 

Für mehr Information zu dieser Veranstaltung, klicken Sie bitte hier.

 

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