DDIM.kongress // 2016 mit Fokus Mittelstand

Der alljährliche Jahreskongress 2016 des Dachverbandes Deutsches Interim Management (DDIM) fand Anfang November in Düsseldorf statt. Motto  „Der Mittelstand. Gut gerüstet für die Zukunft? Wie Interim Management zur Bewältigung aktueller Herausforderungen des deutschen Mittelstands beiträgt“.

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An zwei Tagen trafen sich mehr als 350 Interim Manager, Interim Management-Dienstleister und Unternehmer, um sich über das Thema auszutauschen und fachlichen Input von den prominenten Referenten des Kongressprogramms sowie in den Workshops zu erhalten.

 

Private Equity – zwischen Rendite und Verantwortung

Jürgen von Wendorff, Vorstand HANNOVER Finanz Gruppe und Vorstand des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK), war  Dinner Speaker am Vorabend des Kongresses. In seiner Keynote präsentierte er seine positive Vorstellung der Private Equity (PE) Industrie in Deutschland: PE fokussiert sich hierzulande auf die Wertschöpfung bei Unternehmen. Aufsichtsräte, Beiräte und vor allem Interim Manager können bei der positiven Veränderung in investierten Unternehmen eine entscheidende Rolle einnehmen.

Er beschrieb richtig liebevoll die Rolle des Interim Managers mit der Fabel des Wolfes aus der Geschichte „Steinsuppe“:  der Wolf kommt für eine kurze Zeit ins Dorf der Tiere. Durch sein Verhalten hinsichtlich des eigentlich unmöglichen Vorhabens, nur mit der Zutat eines Steines eine Suppe zu kochen, verändert er die vormals depressive Stimmung bei den Tieren. Denn jedes Tier gibt eine Zutat, um die Suppe für alle besser werden zu lassen. Am Schluss feiern alle entspannt zusammen mit einer exzellenten Suppe und der Wolf verlässt das Dorf wieder mit seinem Stein im Gepäck. – So wie ich kannten viele Teilnehmer die  Fabel der Steinsuppe nicht. Ich habe es daher in meine Buchempfehlungen für das Jahresende aufgenommen, da sie wirklich ein gutes Kinderbuch ist. Zu den Buchempfehlungen, klicken Sie bitte hier.

Am Kongresstag stellte Dr. Andreas Suter, Vorsitzender des AIMP (Arbeitskreis Interim Management Provider) und Vorsitzender von MAGNALIA AG (Zusammenschluss der IM Provider Management Angels und GroNova) seine Erfahrung im Umgang mit der Zielgruppe des größeren Mittelstandes dar. Diese verbinden die unternehmerische Sichtweise des Mittelstandes mit Elementen von Großunternehmen, was eine entsprechende kompetente Ansprache dieser Zielgruppe erfordert.

 

Herausforderung Digitalisierung für den Mittelstand

Dr. Jürgen Meffert,  Senior Partner McKinsey und Leiter der Digitalisierungsinitiative/ Experte für den Mittelstand, gab zum einen den Überblick über eine strukturierte Vorgehensweise für Unternehmen bei der digitalen Transformation, zum anderen präsentierte er eindeutige Beispiele für die Radikalität der Veränderung: z. B. die Schaffung der Plattform PREDIX von GE, eine B2B Plattform im Internet (PaaS = Platform as a Service), die u. a. sog. Predictive Maintenance erlaubt  und die für GE rasch zu einer bedeutendem Geschäftsmodell geworden ist, oder die Steigerung der Effizienz im Tagesbergbau durch den Einsatz von autonom fahrenden Muldenkipper bei Rio Tinto. Hinsichtlich der eigenen IT des Unternehmens ist eine IT mit zweierlei Geschwindigkeit essentiell:  eine grundsätzlich agile IT Architektur, die stetig weiterentwickelt wird und ein „fast speed prototyping“, das eine rasche Änderung erlaubt, der wellenartigen Weiterentwicklung des eigenen Geschäftsmodells folgend.

Er appellierte an die Teilnehmer, dass gerade die digitale Transformation eine enorme Chance für Interim Manager als Change Agent darstellen würde.

 

Situation der Mittelstandspolitik in Deutschland

Dr. Carsten Linnemann, MdB und Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) der CDU/CSU, gab eine Situationsbeschreibung der Wirtschaftspolitik und forderte von den politisch Verantwortlichen eine größere Aufmerksamkeit für zentrale Wirtschaftsthemen wie der Digitalisierung. Hier bestünde keine Möglichkeit, Zeit zu kaufen – im Gegenteil jeglicher Zeitverzug bei diesem Thema hat negative Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Sein Direkt-Mandat erlaubt ihm, eine aus meiner Sicht gute kritische Evaluierung der Wirtschafts- und Sozialpolitik der großen Koalition.

Während andere Redner sich ohne Nennung des Buches „Silicon Germany“ von Christoph Keeser auf seinen Inhalt bezogen haben, bezog sich Dr. Linnemann auf den in dem Buch geschilderten Sachverhalt von Keeser, um die Dringlichkeit einer proaktiven Schaffung entsprechender Rahmenbedingungen durch die Politik hervorzuheben.

„Silicon Germany“ ist ein wichtiges Buch, das zum Status der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands im Hinblick auf Digitalisierung anhand eines Vergleichs mit dem Silicon Valley Position bezieht.  Es ist lesenswert, weil es einen wichtigen Diskussionsbeitrag darstellt. Zu den Buchempfehlungen, klicken Sie bitte hier.

 

Notwendigkeit der Selbstvermarktung für Manager

Frank Dopheide, Mitglied der Geschäftsführung der Handelsblatt GmbH, stellte unterhaltsam die Bedeutung der Persönlichkeitsmarke für den eigenen Erfolg anhand prominenter Beispiele dar.  Er hob hervor, dass neben der fachlichen Kompetenz des (Interim) Managers die Darstellung des eigenen Charakters analog einer erfolgreichen Marke für den unternehmerischen Erfolg wichtig ist. Prominente Beispiele, die er präsentierte waren u. a. Steve Jobs, Karl Lagerfeld und Hans-Werner Sinn.

In dieser Hinsicht möchte ich das Buch „ Originals – how non-conformists move the world“ von Adam Grant empfehlen. Zu den Buchempfehlungen, klicken Sie bitte hier.

 

Neben den Vorträgen im Plenum gab es auch ein breites Portfolio an fachlich sehr relevanten Workshops, aus denen ich mir die folgenden zwei ausgewählt habe:

 

Weiterentwicklung des Business Models des Interim Managers

Giso Weyand, Inhaber der Beratungsagentur Team Giso Weyand, ist als sog. Berater-Berater bekannt. Seine Kunden sind Berater, Coaches und Interim Manager. Er stellte die Weiterentwicklung des Interim Manager Marktes vor und die für den Erfolg notwendige Weiterentwicklung des Geschäftsmodells des Interim Managers (von Interim Manager 2.0 mit „Zeit gegen Geld“ zu Interim Manager 4.0 mit der Positionierung als sog. Trusted Advisor). Er stellte die verschiedenen Stufen in diesem Entwicklungsprozess dar mit den entsprechenden Handlungsnotwendigkeiten des selbstständigen Interim Managers. Seiner Erfahrung nach realisieren nur 10% der Zuhörer diese Handlungsempfehlungen, sei es aufgrund von Bequemlichkeit oder Risikoscheu, bekannte Pfade zu verlassen. Jedoch für diejenigen, die diesen Entwicklungsweg einschlagen, bestehen seiner Meinung nach gute Erfolgschancen bei entsprechender Hartnäckigkeit.

 

Notwendigkeit der agilen Führung für Digitale Transformation

Eckhart Hilgenstock, Director Services Sales EMEA, Adobe Systems GmbH, und vormals langjähriger Interim Manager, stellte spannend dar, warum sog. Agile Führung immer wichtiger wird. Agile Führung bedeutet, dass das Unternehmen in einem zunehmend komplexeren Umfeld schnell auf Veränderungen reagiert, bewusst Chancen und Risiken abwägt und entsprechend agiert. Dies ist wichtig, da das Umfeld nicht nur komplexer wird, sondern auch die Veränderungen durch die digitale Transformation schneller stattfinden. Für diese Agilität ist es wichtig, dass in allen Unternehmensstufen Verantwortungsbewusstsein für das eigene Handeln existiert sowie Vertrauen und Transparenz und das stetige Interesse an Innovationen. Ein zentrales Beispiel für agile Führung in seinem Vortrag war Spotify mit seinem Organisationsmodell von Squads, Tribes, Chapters und Guilds.

https://labs.spotify.com/2014/03/27/spotify-engineering-culture-part-1/

https://labs.spotify.com/2014/09/20/spotify-engineering-culture-part-2/

 

Fazit

Interim Manager können ein wichtiges Instrument für die erfolgreiche Realisierung von Transformationsaufgaben im Mittelstand sein. Sie bringen die erforderliche Unabhängigkeit, soziale Kompetenz und das fachliche Wissen für notwendige Veränderungsaufgaben mit. Dies gilt insbesondere für die Digitale Transformation, sofern sie das Verständnis der Digitalisierung im Sinne von Veränderung des Geschäftsmodells und der Änderungen aus Sicht des Kunden und nicht technokratisch bezogen auf das Gebiet der IT haben. Kenntnisse moderner Führung und Organisationsformen sind ebenso wichtig.

Die Rolle des Interim Managers wird dabei als „Katalysator“, als „Agent 007“ oder als der „Wolf aus der Steinsuppe“ beschrieben. Letzteres ist meine Präferenz, da sie auch die empathische Kompetenz berücksichtigt, die für die Motivation von Menschen immer wichtiger wird – bei vorausgesetzter fachlicher Kompetenz.

http://ddim-kongress.de/

 

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